Gedenkstätten erhalten digitale Kopien

 

 

Der International Tracing Service (ITS) stellt den KZ-Gedenkstätten digitale Kopien von Dokumenten zur Verfügung, die das jeweilige Konzentrationslager betreffen. Jede Gedenkstätte kann die Digitalisate in die eigene Datenbank integrieren und für die Recherchen nach dem Schicksal ehemaliger Insassen nutzen. „Für die Überlebenden und Familienangehörigen von Opfern der NS-Verfolgung ist der Zugang zu Dokumenten und Informationen enorm wichtig“, sagte ITS-Direktorin Floriane Hohenberg. „Wir wollen den Zugang auf breiter Basis ermöglichen.“

Bei den digitalisierten Kopien handelt es sich vorwiegend um Dokumente zu Einzelschicksalen, wie etwa Häftlingspersonalkarten, aber auch zur Organisation der . Die zugehörigen Metadaten und Archivbeschreibungen, die eine Suche in einer Datenbank ermöglichen, liefert der ITS mit. „Bei Kriegsende vernichtete die SS fast die gesamte Lagerregistratur des KZ Bergen-Belsen. Deshalb kennen wir bislang von mehr als der Hälfte der in das KZ deportierten Menschen nicht einmal den Namen“, berichtet Jens-Christian Wagner, Leiter der anlässlich der Datenübergabe in Bad Arolsen. Mit dem digitalen Aktenmaterial des ITS und den nun ebenfalls gelieferten Metadaten sei es möglich, Lücken in der Datenerschließung zu füllen. „Das ist nicht nur für unsere eigene Forschung ein großer Fortschritt, sondern es kommt auch vielen Angehörigen und externen Forschenden zu Gute, die sich mit der Bitte um Klärung von Verfolgtenschicksalen an uns wenden.“

Der ITS verwahrt in seinem Archiv circa vier Millionen Dokumente aus verschiedenen Konzentrationslagern. Am besten belegt sind die Buchenwald (über zwei Millionen Dokumente) und Dachau (knapp 660.000 Dokumente), die von der US-Armee im April 1945 befreit wurden. Rikola-Gunnar Lüttgenau, stellvertretender Direktor der , erläuterte: „Für unsere tägliche Arbeit mit den Angehörigen ehemaliger Häftlinge kommt die Möglichkeit, die Metadaten zur Erschließung der Buchenwalder Dokumente zu nutzen, einer Revolution gleich. Den Familien können wir jetzt wesentlich besser bei ihren Anfragen helfen. Auch für biographische und gruppenspezifische Forschungen haben wir nun ganz andere Optionen.“

Ein Vertrag zwischen dem ITS und den jeweiligen Gedenkstätten stellt sicher, dass die Schutz- und Persönlichkeitsrechte sowie die Authentizität der Dokumente gewahrt bleiben. „Es ist nur folgerichtig, wenn die Gedenkstätten mit ihren vielen Besuchern und Anfragen einen direkten Zugriff auf die Dokumente aus dem Archiv des ITS haben“, betonte ITS-Direktorin Floriane Hohenberg. „Es stärkt uns in dem gemeinsamen Bestreben, aus den Erfahrungen des Leids der Verfolgten und der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte die nötigen Schlussfolgerungen zu ziehen.“

ITS – International Tracing Service

 

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