Shit happens!

 

Marburg. Quer durch die mittelhessische Universitätsstadt Marburg schlängelt sich malerisch die Lahn. Vor einigen Jahren sollte ihr Ufer mit einem Projekt noch attraktiver gestaltet werden. Der Plan ging auf. Es kamen deutlich mehr Besucher, nicht zuletzt auch deshalb, weil die „Lahnterrassen“, ein treppenförmig gestalteter Aufenthaltsbereich, direkt bei einer Mensa liegen.

Weil die vielen Flussliebhaber hin und wieder ein menschliches Bedürfnis verspüren, eröffnete die Stadt Marburg im Jahr 2013 eine öffentliche Toilette direkt hinter den Lahnterrassen. Die Baukosten lagen bei insgesamt 185.000 Euro – auch wegen Sonderwünschen wie Dachbegrünung und Photovoltaikanlage. Ein stolzer Preis für eine Einrichtung, bei der ein Zweckbau völlig ausreichend gewesen wäre. Die Nutzer müssen für den Toilettenbesuch nichts bezahlen, da die Verantwortlichen Vandalismus am ansonsten notwendigen Geldeinwurfschlitz befürchteten. Und das, obwohl jährlich 6.700 Euro für den Unterhalt ausgegeben werden. Darunter fallen neben der Reinigung auch die Graffitientfernung sowie Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Die aufwendige Anlage hatte einen entscheidenden Mangel: Im Jahr 2016 wurde bei einer routinemäßigen Kontrolle entdeckt, dass das Schmutzwasser der WC-Anlage jahrelang in die Lahn geleitet wurde. Ursache dafür war, dass der mutmaßliche Abwasserkanal eigentlich eine Regenwasserleitung war. Diese Fehlkonstruktion wurde bei der Abnahme nach Fertigstellung des Toilettenhäuschens einfach übersehen. So flossen neben dem unbedenklichen Regenwasser drei Jahre lang auch Fäkalien in die Lahn. Neben den direkten Folgen für die Flussbewohner trug dies sicherlich auch nicht gerade zur Attraktivitätssteigerung des Uferbereichs bei. Die WC-Anlage wurde deshalb zunächst außer Betrieb genommen.

Für die Behebung des Mangels musste die Stadt rund 25.500 Euro berappen. Laut den Verantwortlichen handele es sich dabei allerdings größtenteils um sogenannte Sowieso-Kosten, denn auch wenn die Toilette 2013 korrekt angeschlossen worden wäre, wären diese Kosten „auch so“ fällig gewesen. Lediglich die etwa 3.200 Euro für die Baustelleneinrichtung 2017 seien als tatsächlicher „finanzieller Schaden“ für die Stadt Marburg zu klassifizieren. Durch eine außergerichtliche Einigung mit dem 2013 zuständigen Planungsbüro habe man diese Kosten noch auf etwa 1.600 Euro halbieren können. Selbst wenn man der Argumentation der Stadt folgt, verbleibt ein nicht zu beziffernder Schaden für die Umwelt. Eine Toilette, deren Abwässer doch wieder in der Natur landen, braucht kein Mensch.

 

 

 

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