20 Jahre nach Pallas-Havarie lauern neue Gefahren

 

WWF – 20 Jahre nach der folgenschweren Havarie des Holzfrachters Pallas besteht die Gefahr einer Umweltkatastrophe im Wattenmeer weiter. Denn einige Risiken sind laut WWF gewachsen.  „Wir haben mit der Ölpest in Folge der Pallas-Havarie einen hohen ökologischen Preis gezahlt. Es wurden aber auch wichtige Lehren gezogen und die Katastrophenabwehr verbessert“, bilanziert Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros. „Den Fortschritten bei der Katastrophenabwehr stehen aber höhere Risiken durch die zunehmende Größe der Schiffe gegenüber. Die Schiffsriesen haben oft viel Treibstoff an Bord und ihre rechtzeitige Bergung ist schwieriger. Auch die Bauwerke in der lesee erhöhen das Risiko, dass ein manövrierunfähiges Schiff mit einer Offshore-Windanlage kollidieren könnte“, so Rösner. Die südliche lesee gehört zu den weltweit am stärksten befahrenen Meeresgebieten.

Am 29. Oktober 1998 strandete der brennende Holzfrachter Pallas nach einer Irrfahrt in der Nähe der Insel Amrum. Er brannte noch mehrere Wochen und verlor etwa 100 Tonnen Schweröl, mindestens 16.000 Seevögel wurden dadurch getötet. Bei der Katastrophenabwehr wurden damals gravierende Mängel in der Koordination und der Ausrüstung deutlich. „Damals verursachte eine vergleichsweise geringe Menge Öl große Schäden. Bei einem größeren Unglück könnte jedoch leicht die 100fache Menge Öl oder mehr austreten und Teile des Wattenmeeres in eine schwarze Wüste verwandeln“, warnt WWF-Experte Hans-Ulrich Rösner. Der Fall der vor einem Jahr vor dem niedersächsischen Wattenmeer havarierten „Glory Amsterdam“ zeigt aktuell, dass immer noch Pannen das Geschehen bestimmen.

 

Der WWF sieht insgesamt zwar wichtige Fortschritte seit dem Pallas-Unglück, verbindet diese jedoch auch mit Kritik:

  • Zwar haben Bund und Länder mit der Einrichtung des Havariekommandos in Cuxhaven eine wichtige Einrichtung geschaffen. Diese engagiert sich aus Sicht des WWF aber zu wenig für verbesserte Regelungen bei der Vorbeugung gegen Havarien und ist zu zurückhaltend bei notwendigen Anweisungen gegenüber kritischen Schiffen.
  • Zwar wurden die Schutzgebiete des Wattenmeeres als „Besonders Empfindliches Meeresgebiet“ ausgewiesen, was zusätzliche Maßnahmen gegenüber der Schifffahrt ermöglichen würde. Solche Maßnahmen, etwa verschärfte Lotsen- und Meldepflichten, wurden dann aber nicht eingeführt.
  • Zwar wurde mit der „leic“ seit 2011 ein besonders leistungsstarker Notschlepper in der lesee stationiert. Die wachsenden Risiken durch größere Schiffe und durch Bauwerke erfordern aber eine Prüfung, ob dies noch ausreicht oder ob zusätzlich ein weiterer Notschlepper oder andere Maßnahmen erforderlich sind.

 

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