Tödliche Geisterfahrt: Bewährungsstrafen für zwei JVA-Beamte

 

 

Ein Häftling in offenem Vollzug flüchtet vor einer Verkehrskontrolle und rast als Geisterfahrer gegen ein Auto, die junge Fahrerin stirbt. Nun stellt das Limburger Landgericht fest: Er hätte aufgrund seiner Vorgeschichte niemals in den offenen Vollzug verlegt werden dürfen.

Eingang zum Landgericht in Limburg. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv

Zwei Justizvollzugsbeamte sind wegen fahrlässiger Tötung zu jeweils neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann und die Frau seien durch pflichtwidriges Verhalten an dem Unfalltod einer jungen Frau mitschuldig, entschied das Landgericht Limburg am Donnerstag.

Ein Häftling im freien Vollzug war bei der Flucht vor einer Polizeikontrolle als Geisterfahrer über eine Bundesstraße gerast. Mit einem Tempo von über 100 Stundenkilometern stieß er mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen, die 21-jährige Autofahrerin starb. Als Auflagen müssen die beiden Verurteilten jeweils mehrere tausend Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Als erschwerend wertete das Gericht die mangelnde Reue der beiden.

Der Häftling hätte nie – wie von der nun verurteilten Frau angeordnet – in den offenen Vollzug verlegt werden dürfen, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Es habe sich bei diesem um einen unbelehrbaren Straftäter gehandelt, neue Straftaten seien damit höchstwahrscheinlich gewesen. Schon als Jugendlicher war der im Jahr 1970 geborene Mann ohne Führerschein Auto gefahren. Insgesamt wurde er 26 Mal verurteilt, fast immer wegen Verkehrsdelikten. Mehrfach hatte er sich gefährliche Verfolgungsfahrten mit der Polizei geliefert. Etliche Bewährungsstrafen wurden widerrufen, er saß oft im Gefängnis.

Zum Unverständnis des Gerichts entschied die Beamtin trotzdem, ihn in den offenen Vollzug nach Diez zu verlegen. Dort war ihr nun ebenfalls verurteilter Kollege für den Häftling zuständig. Dass der Mann seine tägliche Freiheit nutzte, um Auto zu fahren, war in dem Gefängnis nicht bekannt.

Im Januar 2015 war er in einem Auto mit gestohlenem Kennzeichen unterwegs, er geriet in eine Polizeikontrolle auf einem Parkplatz an der Autobahn 3. Der Mann gab Gas und raste als Geisterfahrer auf die nahe Bundesstraße 49. «Er wollte es so gefährlich wie möglich für die Polizei machen», so der Richter. Kurz darauf geschah der Unfall.

Im Limburger Landgericht war noch ein dritter Justizvollzugsbeamter angeklagt gewesen, dieser wurde freigesprochen. Er hatte gegenüber seiner Vorgesetzten vergeblich Bedenken gegen den Freigang des Mannes geäußert. Nach Meinung des Gerichts hätte er sich daraufhin an den nächsten Vorgesetzten wenden müssen, doch eventuell hätte auch dies nichts geändert.

Die Verteidiger hatten Freisprüche für alle drei Angeklagten gefordert. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Geld- und Bewährungsstrafen. Laut Landgericht werden gegen die Verurteilten noch Disziplinarverfahren eingeleitet werden.

 

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