Frühstück bei Tiffany

 

10.02.2018 19:30 Uhr
Frühstück bei Tiffany

von Truman Capote

Inszenierung: Anna Bergmann, Bühne: Florian Etti, Kostüme: Claudia González Espíndola, Sounddesign: Heiko Schnurpel, Dramaturgie: Thomaspeter Goergen

»Holly Golightly, auf Reisen.« Eine Cartier-förmig gedruckte Karte am Briefkasten, die von nun an ihren Entdecker wie eine Melodie quält: »Holly Golightly, Travelling.« Kurz darauf trifft unser mittelloser Erzähler auf jenes Mädchen, dem Truman Capote in einer Hausflurnotiz eine der prägnantesten Signaturen der Weltliteratur widmete – alle Leichtigkeit und Traurigkeit einer Suche nach dem Zuhause. Was für Holly diesem at home am nächsten kommt, ist nun Tiffany, Inbegriff des Juweliers an der 5th Ave., wo zu frühstücken das Allerbeste wäre beim Duft nach Silber und Krokodilleder, um das »rote Elend« zu überwinden. Leider konnte man bei Tiffany noch nie frühstücken, auch nicht zu Capotes Zeiten …

Capote schuf 1958 eine Ikone der Moderne. Holly ist Design, das sie liebevoll stylt (als Kunst-Objekt aber auch diversen Männern anbietet), sie ist Wild Thing wie ihr namenloser Kater: je mehr du es zu lieben suchst, desto mehr entfernt es sich, bis du nur noch in den Himmel schaust. Entwaffnend weltklug, unbekümmert bis zum Illegalen, progressiv in ihrer Sicht auf die Liebe! Capotes Anspielungen waren Hollywood 1961 zu viel, das Audrey Hepburn zwar zu der Holly erhob, aber eben in klassischer Romanze. Der berühmten Kuss des Erzählers und Hollys, er steht nicht im Roman. Denn der Erzähler ist gay, wie Holly leichthändig erahnt – wer keine Pferde mag, mag auch keine Mädchen. Subtil erzählt Capote auch von den verspielten Allianzen eigenwilliger Frauen zu Homosexuellen.

Und schenkte uns in Holly eine Ikone der Offenheit und Humanität.

Selber zu selten, selbst nicht selten bedroht. Ein »Weißer Engel« – wie auch der Cocktail heißt, den Capote vielsagend ironisch seinem Alter Ego zu Beginn des Romans servieren lässt.

Da ist die, die gemeint ist, bereits seit Jahren verschwunden.

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