Der Wolf, Hüter des Waldes

 

Früher verfolgt, getötet und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland völlig ausgerottet, gründete ein Wolfspaar aus Ostpolen im Jahre 2000 wieder das erste Wolfsrudel in der sächsischen Lausitz. Freude, Skepsis, Angst und Verunsicherung, wie der Mensch nun wieder mit dem Hüter des Waldes umgehen soll, sind die üblichen Reaktionen angeführt von der Frage: Sind Wölfe für den Menschen gefährlich?

An einem verschneiten Januartag sind wir, geführt von den Wildparkhütern, im Nationalpark Kellerwald-Edersee dieser Frage auf den Grund gegangen. Die aktuelle Population im Park beläuft sich auf ein Rudel aus drei Timberwölfen, die durch die Umwandlung in einen Nationalpark nun die letzten ihrer Art im Kellerwald sein werden und einem frisch angesiedelten europäischen Wolfspaar, wo die Hoffnung auf Nachwuchs die Augen der Wildhüter zum Strahlen bringt.

Auf dem Weg zum Revier der ‘Europäer’ konnten wir schon einiges über das Verhalten und die Fressgewohnheiten erfahren. Schließlich sind wir ja auch nicht ohne Leckerlis unterwegs

Im Park werden die Tiere mit Frischfleisch in Form von Pferd, Küken, usw. alle 2-3 Tage gefüttert, da sie je nach Menge der aufgenommenen Nahrung*1 auch bis zu einer Woche ohne auskommen können.

In freier Wildbahn jagen sie in der Regel Wildtiere wie Rehe, Rotwild oder Wildschweine, von denen der Bestand in Deutschland groß genug ist, um dem Wolf als Nahrung zu dienen. Auch kleine und mittelgroße Säuger schaffen es auf seinen Speiseplan. Mit ca. 1% sind die Nutztierrisse, die einen Großteil der Abneigung gegen den Wolf ausmachen, doch eher unbedeutend und man kann sie auch gerne der Angewöhnung dieser Tiere an den Hütehund anlasten.

„Die Befürchtung, Wölfe im Revier würden den ganzen Wald leer fr3, ist daher unbegründet – das zeigen die Beobachtungen in der Lausitz, wo das Wechselspiel zwischen Beute (Wild) und Räuber (Wolf) seit nunmehr 17 Jahren funktioniert. Das Wild stellt sich nach und nach in seinem Verhalten wieder auf den Wolf ein und wendet dabei seine im Laufe der Evolution entwickelten Feindvermeidungsstrategien an.“ *²

Angekommen im Revier der europäischen Wölfe war erst einmal Warten angesagt. Das frisch angesiedelte Pärchen ist sehr scheu und noch nicht vollständig an die Wildparkhüter und Menschen gewöhnt. Erst nach einigen Rufen des Hüters erschien hinter einem Hügel der erste Kopf, dann die gesamte Pracht der eineinhalb Jahre jungen Wölfin und nachdem das Mal aufgetischt wurde, ließ auch ihr einjähriger Partner, weiterhin die Situation skeptisch beäugend, nicht mehr auf sich warten. Fr3, Spielen und ab und zu für die Kamera posieren war jetzt angesagt.

Kommen wir zu der Frage: Sind Menschen durch die Wiederansiedlung der Wölfe gefährdet?

Im Allgemeinen ist der Mensch nicht gefährdet, solange er den Wolf nicht anlockt und provoziert. Von den 59 Zwischenfälle in Europa zwischen 1950 und 2000, bei denen Menschen getötet wurden, waren in 5 Fällen die Tiere an Tollwut erkrankt und die restlichen Zwischenfälle passierten durch Anfütterung und Provokation von nachweislich nicht tollwütigen Wölfen. Seit 2000 bis zum heutigen Tag gibt es nachweislich keine Tötung von Menschen durch den Wolf im europäischen Raum. Es sollte beim Wolf, wie auch bei anderen Wildtieren, darauf geachtet werden, dass man ihm Respekt erweist. Man gibt ihm seinen Raum, um sich zurück zu ziehen, sollte man auf ihn treffen.

Bei den kanadischen Nachbarn, den Timberwölfen, mussten wir dann nicht mehr lange warten. Die Neugier und das lange Zusammenleben mit den Wildhütern bescherte uns einen zwar skeptischen, aber schnellen Besuch der stattlichen Tiere. Die über 8 Jahre bestehende Beziehung zwischen Thomas Wagener und seinem Rudel ist so ausgeprägt, dass auch unsere fremde Anwesenheit kaum störte. Nur noch zwei Meter trennten uns teilweise von den Tieren, die uns auf eine Distanz von mehreren Kilometern riechen und bis zu 10 Kilometer hören können. Dadurch kann man von Glück reden, wenn man einen Wolf in der freien Wildbahn vor die Linse bekommt.

 Die Wölfe im Nationalpark Kellerwald-Edersee können durch diese Beziehung und die Gewöhnung an den Menschen nicht mehr ausgewildert werden. Sie geben aber jedem Besucher die Möglichkeit, sich mit den Tieren auseinanderzusetzen und vielleicht etwas Scheu und Angst abzulegen, um zu sehen, dass es auch nur weitere Bewohner unserer Heimat sind.

Unser Tag mit den Wölfen endete mit der Erkenntnis, dass der Wolf auch weiterhin der Hüter des Waldes ist. Er reißt alte, gebrechliche und kranke Tiere, nimmt sich nur das, was er und sein Rudel zum Überleben braucht und gehört zur Waldlandschaft Deutschlands wie das Reh, das Wildschwein, der Fuchs, der Hase und alles andere, was unsere Fauna ausmacht.

Wir danken Lisa Maria Kreh, Pressesprecherin des Nationalparks Kellerwald-Edersee, für die Möglichkeit, diesen Tag ungestört mit den Wölfen zu verbringen.
Ebenso bedanken wir uns bei den Wildparkhütern Dirk Schneider, Thomas Wagener und Nicola Benhold, die uns in den direkten Kontakt mit diesen erstaunlichen Tieren brachten.

Weitere Informationen zum Nationalpark finden Sie unter

*1) Ein Wolf kann bis zu 5kg Nahrung aufnehmen

*2) Quelle:

 

Bericht & Bilder: C.Roth & K.Schulze

 

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