Ganz aktuell: Air Berlin-Tochter Niki pleite – das passiert mit gebuchten Tickets!

 

Von Ken Fielding/, ,

Köln, Dezember 2017. Nach der Air Berlin-Pleite jetzt das: Tochtergesell-schaft Niki aus Österreich ist insolvent. Der Flugbetrieb soll nach derzeitigen Angaben sofort eingestellt werden – aktuell liegen nun etwa 800.000 Buchungen offen im System der österreichischen Niki Luftfahrt GmbH. Nicht nur tausende Urlaubsflüge stehen damit auf dem Spiel, auch Mitarbeiter bangen ab sofort um Ihren Job. Schätzungsweise 60.000 Passagiere werden aller Voraussicht auf dem „Boden bleiben“. Was jetzt mit den Tickets passiert und welche Rechte Fluggäste haben, erläutert im Folgenden Markus Mingers, Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer.

Zum Hintergrund der Niki-Pleite
Übernahme durch Lufthansa bleibt aus

Konkurrenz-Airlines arbeiten gerade an einer gemeinsamen Rückhol-Aktion, damit Urlauber nach Hause kommen, denn tausenden Passagieren von Niki Air droht kurz vor den Feiertagen die Strandung.

Selbst die österreichische Regierung will jetzt über die Austrian Airlines unter anderem eine Rückholung vorfinanzieren.
Niki hatte zuvor bereits einen Insolvenzantrag gestellt und war dringend auf finanzielle Unterstützung durch die Lufthansa angewiesen. Da diese nun aus-bleibt, stellt Niki ab 14.12.2018 den Flugbetrieb vollständig ein. Mutterkonzern Air Berlin sieht in dem geplatzten Verkaufsdeal zwischen Niki und der Luft-hansa aufgrund fehlender Freigabe der EU-Wettbewerbskommission ein großes Ärgernis. Generalbevollmächtigter Kebekus sah das Scheitern des Airline-Verkaufs als vermeidbar.

Die derzeitigen Finanzspritzen von etwa 10 Mio. Euro der Lufthansa, die wö-chentlich an Niki überwiesen werden, reichen nur noch bis zum kommenden Freitag. Der Geldhahn ist also schon zugedreht, die heute verlautete Insol-venz eine logische Konsequenz.

 

 

Schnellkauf durch Thomas Cook als letzte Hoffnung

Gegenüber dem Kaufgebot der Lufthansa sahen die Nebenbuhler Condor und Niki Gründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda ganz schön alt aus. Doch bei Air Berlin und Niki Air gibt man die Hoffnung nicht auf: Ein Schnellkauf, ein soge-nannter Firesale, durch Thomas Cook soll Niki noch retten. Doch auch dieses Szenario ist aktuell unwahrscheinlich, da der geplatzte Deal mit der Lufthansa überraschend kam. Grund für das Übernahme-Aus durch die Lufthansa war die fehlende Freigabe durch die EU-Kommission. Trotz angekündigtem Ver-zicht auf Start- und Landerechte sah die EU-Kommission wettbewerbsrechtli-che Bedenken in der Teilübernahme.

Fluggastrechte bei Insolvenz
Das passiert jetzt mit den Niki Tickets

„Grundsätzlich gilt: Werden Flüge bei der Insolvenzanmeldung gestrichen, ha-ben Passagiere zweierlei Möglichkeiten Ansprüche geltend zu machen. Zum einen besteht der Anspruch auf Rückerstattung des Ticketpreises oder eine Ersatzbeförderung. Zum anderen gibt es gegebenenfalls auch eine zusätzliche, pauschale Entschädigung“, erklärt Markus Mingers.

Kündigt die Pleite-Airline den Flugausfall 14 Tage vor Flugbeginn an, entfällt eine mögliche Entschädigungszahlung. Für Tickets, die vor der Insolvenz gebucht wurden, erhalten Reisende nur die Insolvenzquote des Ticketpreises als Entschädigung. Hierbei handelt es sich um einen Minimalanteil des vollen Wertes. Schadenersatzansprüche für Flüge mit Ausfall nach der Insolvenz könnten allerdings sogar vollständig erstattet werden.

Pauschalreisen vs. Selbstbucher

Mehrkosten für gestrandete Passagiere der Niki Air, die eine Pauschalreise gebucht haben, sind im bei der Rückreise nicht zu erwarten. In diesem Fall ist der jeweilige Reiseveranstalter in der Pflicht, Alternativen für eine Rückreise zu organisieren. „Selbstbucher müssen hingegen mit Mehrkosten und etwas Aufwand rechnen.

Wer direkt bei Niki oder ehemals Air Berlin einen Flug gebucht hat, muss sich selbst um einen Rückflug kümmern – und das auf eigene Kosten. Reiserechtlich ist eine Insolvenz der Airline für Selbstbucher äußerst ärgerlich“, so der Rechtsexperte.

Kommt es allerdings zu der geplanten Rückhol-Aktion, sollen keine Extra-Kosten für Passagiere anfallen.

In der Regel sind Buchungen, die nach der Insolvenzanmeldung getätigt werden, besser abgesichert.

Wird der Flug in den Urlaub dann gestrichen, können sowohl Ticketkosten erstattet und gegebenenfalls eine Entschädigung erwartet werden.

Aufgrund der Insolvenz der Fluggesellschaft können Bonusmeilen und Gutscheine übrigens nicht mehr eingelöst werden.

Als Forderung gegenüber einem Insolvenzverwalter könnten sie zwar angemeldet werden, dürften aber keinen Wert haben.
Niki Ticket stornieren ratsam?

„Tickets, die vor der Insolvenz gekauft wurden, können meist kostenfrei stor-niert werden. Abhängig von der Buchungskategorie besteht für Urlauber der Anspruch auf Erstattung des vollen Ticketpreises oder wenigstens der Gebühren und Steuern“, erläutert der Rechtsanwalt abschließend.

Über Markus Mingers: Markus Mingers ist Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer in Köln.

Als Experte für Verbraucherfragen vertritt er zahlreiche Klienten auf unterschiedlichsten Rechtsgebieten, darunter Zivilrecht, Arbeitsrecht, Bau-, Miet- und Immobilienrecht, Wirtschafts- und Steuerrecht, Vertragsrecht, Ver-kehrsrecht, Familienrecht und Speditions- & Transportrecht.

 

 

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