S-Cup: MT kämpft sich gegen Lemgo ins Finale

 

 

Im Halbfinale des Sparkassen-Cup wurde die MT Melsungen erstmals in der Vorbereitung auf die neue Saison richtig gefordert. In einer insbesondere während der ersten Halbzeit hitzig geführten Partie mit ständig wechselnden Führungen siegte der Favorit vor 800 begeisterten Zuschauern in der Melsunger Stadtsporthalle schlussendlich mit 35:33 (15:15) gegen den TBV Lemgo. Zwar hielt die bisher zu tadellose Deckung diesmal nicht annähernd so dicht wie in den bisherigen Partien, aber die Ausgeglichenheit des Kaders machte das im Angriff mehr als wett. Immer wieder kam der starke Rückraum mit dem achtmal erfolgreichen Julius Kühn zum Zuge. Ebenso oft traf Azad Valiullin für die Lipperländer. Die MT trifft nun im Endspiel am Sonntag um 16:30 Uhr in der Rotenburg Göbel Hotels Arena auf den Zweitligisten ASV Hamm, der sich in dem anderen Halbfinale überraschend mit 31:26 gegen Frisch Auf Göppingen durchgesetzt hatte.

Während der TBV auf Kapitän Rolf Hermann, Tim Hornke und Lukas Zerbe verzichten musste, ging die MT in Bestbesetzung an den Start. Also diesmal auch mit Tobias Reichmann gleich in der Startformation sowie Michael Müller, Timm Schneider, Julius Kühn, Michael Allendorf, Marino Maric sowie Johan Sjöstrand im Tor. Gelangte Lemgo in Ballbesitz, kamen für die Deckung wie schon am Vortag gegen Lübbecke Finn Lemke und Philipp Müller für den Innenblock aufs Feld. Einmal mehr funktionierte dieses Wechselspiel prinzipiell gut. Was nicht klappte, war das Kombinationsspiel vorn. Zu viele Bälle gingen verloren, zu viele Würfe landeten nicht im Netz so dass die Ostwestfalen vor allem über Gegenstöße und die erste Welle erfolgreich waren. Nach zehn Minuten führten die Gäste mit 6:5.

Und die Fehlerquote der MT blieb erst einmal recht weit oben. Dazu vereitelte Peter Johannesson noch drei Chancen und die Melsunger mussten jeweils einen Rückstand egalisieren. Unverdient waren die Führungen von Lemgo keinesfalls. Sie hatten sich einiges einfallen lassen gegen die bisher so starke nordhessische Deckung. Wie Tim Sutons Kempa-Anspiel auf Patrick Zieker zu d3 7:8 (16.). Nachdem auch das von Michael Müller ausgeglichen war, gingen die Emotionen hoch. Im Zurücklaufen waren Müller und ein Gegenspieler aneinander geraten. Der Melsunger Kapitän kassierte eine Zeitstrafe, Lemgos Trainer Florian Kehrmann sah sogar Rot, weil er zu energisch protestierte (18.).

Sportlich sorgte Julius Kühn mit seinen Treffern zum 10:9 und 11:10 für Begeisterung auf den Rängen, Michael Müller traf anschließend ins von Johannesson verlassene  Tor und erhöhte erstmals wieder auf zwei Tore Vorsprung (24.). Was dennoch nicht zu einer Beruhigung des Spiels beitrug. Denn der TBV blieb dran und kam durch Valiullins 13:13 sogar zum erneuten Gleichstand (26.). Was Michael Müller und Julius Kühn zwar zunächst korrigierten, aber mit auslaufender Uhr glich Patrick Zieker vom Siebenmeterstrich erneut aus (15:15, Halbzeitstand).

Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: mit einem verwandelten Zieker-Strafwurf, der Blau-Weiß wieder nach vorn brachte. Aber nur kurz, denn zwei Lemke-Würfe aus dem Rückraum und ein Tempogegenstoß von Jeffrey Boomhouwer drehten erneut auf 19:18 (33.). Das muntere Wechselspiel um den knappen Vorteil ging also unvermindert weiter. Auch direkt auf dem Hallenboden wurde gerungen. Als Philipp Müller und Fabian van Olphen nach einem Zweikampf gemeinsam parterre gingen, kniete Christoph Theuerkauf nieder und klopfte unter schallendem Gelächter und anschließendem Beifall der Zuschauer im Stile eines Ringrichters ab.
Nur ein kurzes Intermezzo zur Entspannung, denn es knisterte sofort weiter. Die Protagonisten hießen nun Dener Jaanimaa und Azat Valiullin, die sich im Torewerfen abwechselten. Den lautesten Beifall kassierte aber Finn Lemke für sein Geschoss in den Winkel zur 23:22-Führung (43.). Danach räumte Peter Johannesson seinen Platz im Tor für Piotr Wyszomirski, der mit zwei Paraden sofort den Weg zum abermaligen Wechsel des Vorteils frei machte. Christian Klimek erhöhte gar auf zwei Treffer Vorsprung für den TBV. Die nach Felix Danners Doppelpack auch schnell wieder Geschichte waren (28:28, 51.).

Nach einer Auszeit von Trainer Michael Roth bekam Melsungen noch einmal Oberwasser. Lemke und Boomhouwer stellten auf 31:29. Dominik Ebner gelang der Anschluss, ehe Julius Kühn wieder zuschlug. Längst war die Stadtsporthalle zum Tollhaus mutiert, erschallten Sprechchöre und Gesänge während laufender Angriffe. Fair, wohlgemerkt, denn auch gelungene Aktionen des TBV wurden lautstark gefeiert. Selbst Timm Schneiders 34:31, die klarste Führung des Abends, war drei Minuten vor dem Ende noch keine Entscheidung. Erst als Julius Kühn das Leder auf Zuspiel von Jaanimaa in die Maschen drosch und Nebojsa Simic anschließend gegen Daniel Ebner rettete war der Finaleinzug der MT sicher.

Finn Lemke zum Spiel:

Lemgo hat das heute gegen uns richtig gut gemacht. Sie haben total diszipliniert und oft bis an die Grenze zur Passivität gespielt. Bei uns hat sich bemerkbar gemacht, dass es bisher so problemlos und gut lief in der Abwehr. Dann kommt ein Gegner der dagegen hält und man wird prompt etwas nervös. Aber es war wichtig, dass wir das dann im Angriff immer sofort beantwortet haben. Für mich persönlich läuft es absolut super bisher. Ich bin befreit, dass ich auch wie versprochen viele Offensivanteile bekomme. Die Fans gehen auch immer klasse mit, es macht einfach Spaß. Das Duell gegen meinen Bruder heute war leider nur sehr kurz. Ich freue mich riesig für ihn, dass er jetzt diesen Schritt in den Profibereich erfolgreich macht.

Statistik
 
MT Melsungen: Sjöstrand (4 Paraden / 15 Gegentore), Simic (9 P. / 18 G.); Maric 1, Kühn 8, Lemke 4, Golla, Reichmann 1, Mikkelsen, Danner 3, P. Müller, Boomhouwer 2, Schneider 1, Allendorf 4, Jaanimaa 5, M. Müller 4, Haenen 2. – Trainer Michael Roth.

TBV Lemgo: Johannesson (6 P. / 23 G.), Wyszomirski (4 P. / 12 G.); Kogut 3, Guardiola 1, Ebner 2, van Olphen 1, Theuerkauf 5, Hübscher, Suton, Zerbe, Lemke, Bartok 2, Valiullin 8, Klimek 4, Zieker 7/3.
 
Schiedsrichter: Nils Blümel / Jörg Loppaschewski (Berlin)

Zeitstrafen: 12 – 10 Minuten (M. Müller 17:17 Min., Allendorf 19:19 Min., Kühn 29:58 Min. u. 43:53 Min., Haenen 33:04 Min., Schneider 34:31 Min. – Kehrmann 15:50 Min., Suton 22:02 Min. u. 28:40 Min., Bartok 39:44 Min., Kogut 53:39 Min.)

Disqualifikation: Kehrmann (TBV, 17:17 Min.)

Strafwürfe: 0/0 – 3/3
 
Zuschauer: 800 in der Stadtsporthalle, Melsungen.

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