Die Europameisterschaft im BJJ – Bronze für le33

Teil 6

Kapitel I – Krankheit und Aufregung

Mattenrichter stehen bereit bei der Europameisterschaft der IBJJF

11.01.16
Mittwoch 23:56 Uhr – Im Flieger nach Lissabon. Mir geht es überhaupt nicht gut. Ich frage mich ob dies an der Aufregung liegt? Meine Glieder schmerzen, ich habe einen trockenen Hals, habe kaum geg3 und mir ist schwindelig. Ich denke mir, dass es wahrscheinlich nur psychosomatisch ist und ich mir keine Sorgen machen sollte. Die nächsten Tage stellt sich heraus, dass ich die ganze Sache unterschätzt habe.

Die Reise von São Paulo nach Lissabon ist in diesem Zustand eine Zumutung. Nach einem 9 stündigen Flug nach Casa Blanca steige ich in den nächsten Flieger nach Lissabon und bin innerhalb von einer Stunde dann da. Mir geht es noch schlechter als vorher, ich quäle mich in ein Taxi und lasse mich zu meiner Unterkunft fahren. Ich fühle mich nicht in der Verfassung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und meinem schweren Rucksack weiterzureisen. Dieses Mal ein Einzelzimmer in einem Hostel. Ich weiß, dass wenn ich mich jetzt hinlege, dass ich nicht mehr auf die Beine komme. Ich lege meine Sachen ab, suche mit Hilfe der Rezeption den nächsten Supermarkt und die nächste Apotheke auf und decke mich mit Obst, Nudelsuppe, Wasser und Medizin ein. Ich verlasse die Wohnung die nächsten 3 Tage immer nur kurz zum Einkaufen. Ansonsten liege ich nur mit hohem Fieber im Bett, mich hat es voll erwischt und dass genau eine Woche vor dem Wettkampf. Das schlimmste daran ist, dass ich weiß, dass meine Kondition darunter leiden wird und ich so nicht trainieren kann. Ich habe zunächst ein kleines Tief, aber sammle mich schnell wieder, ich werde kämpfen so oder so, ob ich krank bin oder nicht und ich werde mein Bestes geben.
Das bestmögliche, was mir an diesem Tag möglich ist.

Ich muss irgendwie wieder fit werden. Am Sonntag geht es mir halbwegs besser, am Mittwoch kämpfe ich. Ich brauche auch frische Luft, um besser zu regenerieren und beschließe die Gegend zu erkunden.

Kapitel II – Mein perfekter Tag in Lissabon: Architektur und Straßenkünstler

Foto am Praça do Comércio

15.01.16
Sonntag 15:34 Uhr – am Platz des Marques de Pombal. Ich verlasse mein Hostel und sehe auf der Karte, ganz in der Nähe, einen riesigen runden Platz. In der Mitte des Platzes ist eine gigantische Säule auf d3 Haupt sich ein Pferd mit dazugehörigem Reiter befindet. Ein wirklich beeindruckendes Kunstwerk. Um den Platz herum befinden sich teure und berühmte Hotelketten, die eine edle Kulisse in Kombination mit dem offenen Platz erschaffen. Auf dem Platz stehend sehe ich eine große Allee die bergab führt, da sie so einladend aussieht, folge ich ihr. Links und rechts wieder Geschäfte, Hotels und Restaurants. Es ist die Avenida de liberdade.

Ich gelange nach knapp 20 Minuten Laufweg wieder auf einem Platz, dieser ist jedoch rechteckig und auf ihm befinden sich 2 große Brunnen, die jeweils 4 Meerjungfrauen am Rand sitzen haben. Diese speien Wasser in die Mitte des Brunnens, der wiederum von innen nach außen mit Wasser spritzt. Ich setze mich einige Minuten an den Brunnen und sehe zu wie das Licht der Sonne durch das sprießende Wasser fällt. Ein schöner Anblick. Auch hier befindet sich in der Mitte eine riesige beschriftete Säule. Die Portugiesen mögen anscheinend ihre Säulen.

Ich gehe weiter und gelange in eine, für Autos gesperrte, Einkaufsstraße. Bäckereien und Restaurants mit den köstlichsten Spezialitäten gibt es an jeder Ecke. Frische Krebse an der Schaufensterscheibe im Aquarium. Languste auf Eis und weitere diverse Fischsorten und Muschelsorten werden zur Schau gestellt. Das Meiste von dem kenne ich nicht und da ich noch krank bin, will ich nicht mit Lebensmittel experimentieren. Ich laufe solange weiter, bis ich klassische Klaviermusik höre. Es kommt aus einer umgedrehten Obstkiste, davor steht eine Frau auf einem kleinen Podest. Die Frau ist komplett mit einer bronze-goldenen Schicht überzogen, Sie sieht aus wie eine Statue und bewegt sich auch nicht. Eindrucksvoll. Aber warum dann die Musik? Ein Tisch eines Restaurants befindet sich ca. 10 Meter hinter ihr. Ich platziere mich dort und bestelle leckere Penne mit frischen Cocktailtomaten und grüner Pesto. Dazu frisch gepresster O-saft. Ich beobachte die Frau von hinten. Es bleiben immer mehr Leute um Sie herumstehen, bis sich ein Kleinkind mit wankenden Schritten und einer Münze in der Hand nähert.

Das Kind lässt den Euro in eine Vase fallen. Mit dem Klicken des Münzstückes innerhalb des Gefäßes beginnt die Frau sich zu bewegen. Es entsteht die Illusion das eine gegossene Metallstatue zu der Musik tanzt, ein gutes Entertainmentprogramm, denke ich mir und genieße einfach immer wieder den Moment, wenn eine Person Geld in die Vase wirft. Da sich die Frau im Kreis bewegt merkt Sie jedoch im dritten Durchgang, dass ich einfach für Lau die Show genieße. Ich bin mir jedoch meiner Schuld bewusst, nachdem ich geg3 habe, gehe ich mit einem breiten Grinsen auf das Podest zu und werfe einen Euro in die Vase. Auch Sie kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und beginnt ihren Tanz. Nachdem Sie fertig ist, ziehe ich meine Cappy, mache einen Knicks und lache lauthals, bevor ich weiterlaufe.

Von nun an komme ich jeden Tag vorbei, werfe einen Euro in die Vase, schaue kurz zu und verschwinde wieder. Ich habe Respekt vor Menschen, die das was ihre Leidenschaft ist, täglich ausüben. Auch wenn es wie in diesem Fall undankbar, wie das Leben einer Straßenkünstlerin, ist. Natürlich schmunzelt die gute Frau schon inzwischen aus der Ferne, wenn Sie mich kommen sieht. Ich freue mich jedes Mal, besonders dann, wenn zufällig ein Kind vorbeiläuft, über das Spektakel. Es ist als ob man für einen Euro gute Laune verbreiten würde – ich halte es für einen guten Preis.

Die Einkaufsstraße führt mich durch ein breites Tor, welches wiederum zu einem weiteren großen Platz mit einem Reiter führt, dieser liegt jedoch vor einem Fluss der ins Meer mündet. Schon auf dem Platz weht einem die salzige und herbe Seeluft ins Gesicht. Bei 13 Grad und klarem blauen Himmel, ist das gut auszuhalten. Das Gekreische von Möwen wird mit dem näherkommen an das Wasser immer lauter. Ich lande an einem Ort wo sehr Breite und flache Stufen direkt in das Wasser hineinführen. Direkt im Wasser befinden sich 2 ungefähr 3 Meter hohe Podeste, die am höchsten Punkte eine große Kugel haben. Ich weiß nicht, was der Sinn dahinter ist, aber es ist ein schöner Anblick. Nachdem ich bei der bronzenen Frau vorbeigelaufen bin, setze ich mich meistens mit einem frischen O-saft und einem Käse-Croissant auf die Stufen und schaue den sanften Wellen bei dem Aufschlagen an der Küste zu.

Auf meinem Rückweg, an diesem ersten tollen Tag, höre ich an einem kleinen Café an der Ecke eine 3-köpfige Band spielen. Klassische Aufstellung: Bassist, Schlagzeuger und Gitarrist. Sie spielen zwar keine eigenen Songs, Covern jedoch bekannte Lieder und verpassen Ihnen Ihren eigenen „touch“. Ich genieße das wirklich sehr und setze mich auf eine Tasse Tee hin. Ich habe jedoch kein Bargeld mehr, möchte aber der Band trotzdem etwas geben, ich gebe allen ein Getränk während der Spielpause aus und wir kommen in ein sehr interessantes Gespräch. Sie nennen sich die „folkways“ und musizieren schon eine ganze Weile zusammen. Ich warte hoffnungsvoll den zweiten Teil ab und sie steigern sich sogar, unter anderem spielen sie einen meiner Lieblings Songs „Under the Bridge“ von den Red hot Chili Peppers. Ich bin begeistert.
In einem weiteren Gespräch, nach ihrem Auftritt, kommt heraus, dass Sie anscheinend jedes Wochenende an diesem kleinen Café spielen. Wir tauschen die Kontaktdaten aus, falls ich nochmal hierherkomme, würde es mich freuen, Sie erneut spielen zu hören. Unter der Facebook Seite “ www..com/andresousagoncalves “ kann man sich weitere Informationen besorgen, falls man dies möchte. Ein entspannender, als auch erfüllenden Tag geht für mich dem Ende zu.

Kapitel III – Die Europameisterschaft, zwischen Sieg und Niederlage

17.01.16
Dienstag 23:43 Uhr – Im Zimmer
Ich habe mich heute nur wieder ausgeruht und morgen um 14:30 Uhr wird mein erster Kampf beginnen. Eine Woche kein Training und die Krankheit, ich bin gespannt wie das wird. Wenige Stunden zuvor habe ich meinen Trainer, Murat Efendi, vom Flughafen abgeholt. Ich bin froh, dass er morgen dabei ist. Auch Sergio Canudo Zimmermann, Leiter des „Pound for Pound“ in Deutschland ist dabei und wird mich coachen. Ich werde offiziell für dieses Team, ein Team voller Wettkämpfer, auf die Matte gehen.

 

Mittwoch 12:38 Uhr
Ich habe die Nacht über kaum geschlafen, bin viel zu aufgeregt. Aber nun ist es an der Zeit, ich betrete mit Murat die Halle. Es ist rappelvoll, überall sprechen Menschen mit „Blumenkohlohren“ und Bjj-Klamotten die verschiedensten Sprachen. Das größte BJJ-Turnier der Welt. Dieses Jahr mit knapp 4000 Teilnehmern, ich einer von ihnen. Wir kämpfen uns durch die Masse bis wir die Tribüne erreichen. Auch hier ist alles voll, ein durchkommen ist nur mühselig möglich. Die Blicke der Teilnehmer und Zuschauer sind fixiert auf die Wettkampffläche, welche aus 8 Matten mit jeweils mehreren Kampfrichtern besteht. Es finden simultan 8 Kämpfe gleichzeitig statt, eine Niederlage und man ist raus. Jeder Kampf ist somit wichtig, keiner schenkt dem anderen etwas. Es ist laut, Trainer schreien vom Mattenrand aus Tipps zu oder brüllen auch einfach nur „FIGHT, FIGHT, FIGHT, FIGHT!“ – Zuschauer jubeln und fühlen mit. Eine von Adrenalin gefüllte Halle, dies steckt mich an. Ich bin aufgeregt.

Da es nicht mehr lange bis zu meinem Kampf ist, gehe ich in den Aufwärmbereich. Dort treffe ich viele bekannte Gesichter aus Brasilien wieder, hauptsächlich die Leute, die ausnahmslos jeden Tag da waren. Wir unterhalten uns kurz und ich wärme mich auf. Laufen, Burpees und Co. helfen mir dabei. Zum Schluss „kämpfe“ ich locker mit einem guten Bekannten, Stefan Heber, der es übrigens noch auf das Podest während dieser Meisterschaft schafft. Ich bin warm und bereit, ich spüre kaum Anzeichen davon, dass ich krank war, das ist gut. Ab auf die Kampffläche, mein Anzug, meine Identität und mein Gewicht werden überprüft. Ich bin in der Klasse „Middle-heavyweight“ angemeldet. Das heißt, ich darf bis zu 88,3 Kilogramm wiegen. Ich stelle mich auf dir Waage, die Frau die das überprüft, schaut kritisch. Ich werfe einen Blick auf mein Gewicht, mit meinen Klamotten wiege ich 81,2 Kilogramm. Verdammt. Die Krankheit hat mich sehr viel Gewicht verlieren lassen. Ich könnte sogar eine komplette Gewichtsklasse drunter kämpfen. „Middle-weight“ geht bis ca. 82kg. Naja, das geht jetzt aber nicht mehr. Die Frau lacht und sagt „Good Luck“. Ob das jetzt ernst gemeint ist?

Kopfhörer rein, Pullover über dem Gi und Cappy auf dem Kopf. Ich muss warm bleiben, meinen Fokus bewahren. Ich muss gewinnen, es war ein langer Weg bis hier her. Es spielt keine Rolle ob ich krank war, die ganze Woche kaum trainiert habe oder jetzt knapp 7 Kilogramm weniger wiege, das sind die Worte, die ich mir Sage. Ich werde aus meinem Gedanken herausgerissen: „Burak Basak!“ „Burak?!“ „…“ Ich höre leise meinen Namen. Ich wurde aufgerufen und lasse mich auf Matte 4 begleiten. Hier werde ich kämpfen. Mein Gegner steht schon da, er ist etwas kleiner als ich, sehr kräftig und hat einen dunklen dicken Bart. Ich schaue nur flüchtig auf ihn und mein Blick geht nach vorn, Richtung Matte. Es spielt keine Rolle wer vor mir steht, ich muss mein Bestes geben.

Es geht los, wir kämpfen im Stand und ich ziehe ihn zu Boden. Keiner bekommt Punkte, er passiert jedoch fast meine Verteidigung. Das war knapp und hat viel Kraft gekostet. Er steht, ich liege, ich schaffe es ihn zu sweepen (umzuwerfen), dafür gibt es schon mal 2 Punkte. Ich liege nun halb auf ihm drauf, kann mir seinen Kragen schnappen und würge ihn mit einem Cross-choke. Es dauert lange, ich habe den Griff nicht richtig, aber ich werde nicht loslassen. Meine Unterarme schwellen an, ich ziehe mit meiner ganzen Kraft. Endlich. Er klopft ab und gibt somit auf, puh. Ich verlasse die Matte, ein Blick nach oben, mein Trainer Murat nickt von der Tribüne aus. Am Mattenrand wartet Sergio auf mich, er hat mir immer wieder Tipps zugerufen, er sagt, dass ich mich nun schnell erholen soll.

Ich setze mich an den Rand, meine Lunge und mein Hals brennen, als wäre ich um mein Leben gerannt. Meine Unterarme fühlen sich an wie Betonklotze, ich kann kaum die Hände mehr schließen. Mir ist schlecht. Ein allzu bekanntes Gefühl, jeder der einen Bjj-Wettkampf bestritten hat, kennt so etwas. Ich weiß aber auch, dass es mir auch etwas schlechter geht als sonst, weil ich krank war. Egal. Wenn ich Europameister werden will, muss ich nun noch 5-mal gewinnen. Ich fokussiere mich. Das ist es was es heißt Kampfsportler zu sein.

15 Minuten vergehen, der nächste Kampf steht an. Wir kämpfen im Stand und er taucht mir in die Beine, ich denke, dass er es nicht schafft mich umzuwerfen, aber er schafft es. Ich gehe zu Boden. 2 Punkte für ihn, er versucht meine Verteidigung zu passieren, ich kämpfe. Das geht eine ganze Weile so, bis er eine mir fremde Technik anwendet und am Ende an meiner Verteidigung vorbeikommt. Er kontrolliert mich nun von der Seite, nochmal 3 Punkte für ihn. Jetzt steht es 5-0, noch drei und halb Minuten Kampfzeit. Sergio sagt, bleib ruhig, kämpfe und hole dir deine Verteidigungsposition wieder. Ich kämpfe mit all meiner Kraft, er versucht mich aufzuhalten und ich versuche mich nicht kontrollieren zu lassen. Er schnauft, er muss auch so erschöpft sein wie ich. Jedoch kriege ich keine gescheite Verteidigung hin, um genug Zeit zu gewinnen einen Gegenangriff zu starten. Meine Lunge brennt, meine Arme sind schwer und mir kommt meine Magensäure hoch. Schlucken. Weitermachen. Ich sehen wie die Zeit abläuft – 01:32…. 00:45… Ich bewege mich bis zum geht nicht mehr. Sergio ruft, „Fight until the End.“ Ich kämpfe und kämpfe einen aussichtslosen Kampf. Aber er wird schafft es auch nicht mich zur Aufgabe zu bringen. Ein Blick auf die Uhr – 00:00 – das Horn ertönt, der Kampf ist vorbei. Mein Traum geplatzt. Ich bekomme schemenhaft mit wie wir aufstehen und die Hand meines Gegners gehoben vom Schiedsrichter gehoben wird, während meine Arme hängen. Er umarmt mich und sagt, dass es ein guter Kampf war. Am Mattenrand wartet Sergio und umarmt mich auch und nickt verständnisvoll. Murat steht auf der Tribüne und wir tauschen Blicke aus. Ich bewege mich nicht mehr, setze mich auf den Boden und bleibe dort die nächsten Minuten sitzen. Ich muss verstehen was passiert ist und wie schnell es passiert ist. Das unaufhaltsame Ablaufen der Zeit in Kombination mit der Machtlosigkeit etwas auszurichten war prägend. Ich akzeptiere keine Ausrede. Ich habe nicht verloren, weil ich krank war oder 7 Kilogramm leichter, ich habe verloren, weil er besser war und seine Vorteile besser genutzt hat. Den Rest des Tages schauen wir den anderen Kämpfer zu. Morgen sind Murat, als auch andere Freunde dran, ich werde für sie da sein und mitfiebern.

Kapitel IV – Bronze für le33

19.01.16
Donnerstag 14:23 Uhr
Ich helfe Murat auf der Mattenfläche sich aufzuwärmen, in knapp einer Stunde ist sein Kampf. Ich bin mindestens genauso aufgeregt wie gestern. Wir kennen uns inzwischen seit 11 Jahren und seit je her ist er mein Trainer und inzwischen auch wie ein Bruder für mich. Er wird früh aufgerufen und begibt sich auf die Mattenfläche. Ich gehe auf die Tribüne und Sergio coacht wieder. Er kann seinen ersten Gegner überwältigen, es ist zwar ein harter Kampf, aber er bringt ihn zum abklopfen durch einen Americana (Ellenbogenhebel) aus der Mount-position. Jedoch blutet sein Gegner so stark durch einen Cut, dass der Anzug meines Trainers voller Blut ist. So kann er nicht weiterkämpfen, kein Problem. Ich packe einen weiteren Gi aus der Tasche, werfe ihn hinunter und Sergio reicht ihn weiter.

Murat kämpft sich weiter durch das Bracket bis zum Semi-Finale. Er hat sich durchgerungen. Wenn er diesen Kampf gewinnt, steht er im Finale und hat somit die Chance auf den ersten Platz. Es ist eine wahrhaftige Schlacht bei dem es zunächst keinen Gewinner gibt, am Ende gelingt es aber dem Kontrahenten die Verteidigung Murats zu passieren und von da aus läuft auch für ihn die Zeit hinunter. Er ist in einer ähnlichen Position, wie ich gestern, hört aber nicht auf zu kämpfen, die Zeit läuft ab. In den letzten 6 Sekunden gelingt ihm sogar ein Sweep, aber dafür ist es dann schon zu spät. Wieder eine Punkteniederlage, aber so ist das nun mal. Ein Sieg ist ein Sieg und eine Niederlage, Niederlage. Auch für ihn ist das bitter, ich fühle mit. Nichtsdestotrotz hat es für den 3. Platz gereicht. Bronze in der Klasse „Bluebelt, middle-heavyweight, Masters II“. Eine exzellente Leistung. Ich bin mehr als stolz und freue mich auf die gemeinsamen Trainingsstunden, sobald ich wieder in Deutschland bin.

Murat Efendi auf dem Siegertreppchen

Kapitel V – Ein Resümee, wie es weitergeht und ein Dankeschön

21.01.16
Samstag 02:51 Uhr – Im Zug nach Salamanca, Spanien.

Meine Reise zur Europameisterschaft hat ein Ende gefunden, den letzten Tage in Lissabon habe ich mit Murat und einer kleinen Sightseeing-Tour verbracht. Es war wirklich toll. Ich werde jedoch noch einige Tage mit sehr guten Freunden in Spanien verbringen, um mich von all den Strapazen zu erholen, bevor ich wieder nach Deutschland reise.

Es war wirklich eine prägende Reise, ich habe nicht nur viel an mir selber arbeiten können, sondern auch jetzt im Nachhinein gelernt, was wirklich ausschlaggebend für mich ist. Es sind jene Bekanntschaften und Freunde, die ich machen und vertiefen konnte. Einen Trainer wie Murat zu haben, der mich nach einer Niederlage auffängt oder tolle Freunde zu haben, die auf einen stolz sind, da ich immerhin einen Kampf unter meinen Bedingungen auf der Europameisterschaft gewonnen habe, sind unbezahlbar. Aber auch all jene, die ich im Training und auf der Reise kennengelernt habe, die Menschen mit denen ich schöne Momente verbracht habe. Ich durfte mit Menschen in Brasilien trainieren, die unglaublich bescheiden, bodenständig, als auch gnadenlos talentierte sind. Vier von Ihnen haben übrigens bei dieser Europameisterschaft in ihren Gewichtsklassen den ersten Platz gemacht. All dies sind Erinnerungen als auch positive Energien, die mir keiner wegnehmen kann, sind jene Energien, die es mir ermöglichen ein lebensfrohes, als auch erfüllendes Leben zu führen. Ich bin dankbar für all das.

Natürlich bin ich etwas enttäuscht von mir und glaube im Nachhinein, dass ich vieles hätte besser machen könnte. Nichtsdestotrotz war es zu jenem Augenblick, dass was Höchste was leisten konnte. Ich habe diese Chance so sehr genutzt, wie ich konnte. Deswegen kann ich damit abschließen. Es heißt für mich nichts Anderes, als das es eben nicht genug war. Was heißt das für die Zukunft? Ich werde bei Null anfangen, kleine Turniere mitnehmen, mich steigern bis Ende des Jahres und nächstes Jahr im Januar wieder antreten. Es gibt für mich zur Zeit nichts größeres als diesem Traum hinterher zu jagen. Ich möchte auf dieser Stufe stehen und mein Potential ausschöpfen. Der Weg ist das Ziel und Aufgabe ist keine Option. Oss.

Da dies der letzte Artikel über diese für mich einmalige Reise ist, möchte ich mich auch bei Ihnen, den Lesern/Leserinnen, bedanken. Es hat mir Spaß gemacht meine Erfahrungen zu teilen und ich finde es toll, dass über den Zeitraum von knapp 2 Monaten tausende von Menschen meine Artikel gelesen haben. Ich hoffe auch, dass Sie etwas aus diesen Artikeln mitnehmen. Jagen Sie ihren Träumen hinterher, setzen Sie die richtigen Prioritäten und arbeiten Sie daran ein erfülltes Leben zu haben. Ich werde es sicherlich tun.

 

Ich, Murat Efendi und Sergio Canudo Zimmermann

 

TEIL 5:

Teil 4

Teil 3

Teil 2

Teil 1

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