Mach’s gut, Brasilien. Fokus auf die Europameisterschaft

Foto von der Plattform des Zuckerhuts

Kapitel I Abschied von Rio – Airbnb-Betrug, meine Rettung und ein kolossaler Zuckerhut

03.01.17
Dienstag 13:18 Uhr – Ich sitze im Flieger nach São Paulo. Ich habe mich von Björn und Alexia verabschiedet, sie sind mir beide während der Reise unglaublich ans Herz gewachsen, da wir sehr oft etwas zusammen gemacht haben. Abgesehen von dem großartigen Weihnachten und Silvester, halfen sie mir gestern aus einer mehr oder weniger verzwickten Situation. Ich habe einen Fehler gemacht, der mich hätte sehr viel Geld kosten können.

Ich habe mein Zimmer bei Airbnb anscheinend eine Nacht zu kurz gebucht. Nach kurzer Absprache mit meinem Gastgeber meinte er, es sei kein Problem eine Nacht länger zu bleiben. Ich dachte ich würde ihm den üblichen Betrag einfach bar geben und die Sache wäre geg3. Ich erhielt jedoch gestern früh eine Nachricht, nachdem es natürlich zu spät war eine andere Unterkunft zu buchen, dass ich den 4-fachen Preis für die Nacht zahlen soll, als er üblich ist.

Abgesehen davon, dass ich sowieso mit sehr wenig Geld reise, empfand ich dies so dreist und war nicht bereit, den Preis zu zahlen.

Gäbe es nicht Björn und Alexia, wäre mir aber nichts Anderes übriggeblieben. Deswegen als Tipp: immer offiziell über die Seite buchen! Dies war meine erste schlechte Erfahrung mit Airbnb nach 5 Jahren und ich werde das Portal auch weiterhin nutzen. Sowas passiert nun mal.

Somit wurde ich am Montag, in der Wohnung von Alexias Eltern sofort aufgenommen.

Alexias Stiefvater, Mario und ihre Mutter, Christina begrüßten mich, den verschwitzten Gringos mit Riesenrucksack auf dem Rücken. Sie richteten das Gästezimmer ein, boten mir was zu 3 und eine Dusche an. Ich kann Ihnen gar nicht genug danken. Für viele ist das keine große Sache, für mich aber schon. Ich fühle mich etwas schlecht, dass ich Ihnen nichts im Austausch dafür anbieten kann, aber vielleicht kommt ja die Gelegenheit ja noch irgendwann.

Den Rest des Tages meines letzten Tages verbringen Björn, Alexia und ich auf dem berühmten Pão de Açúcar (Zuckerhut). Wir wandern die ersten 30 Minuten auf den ersten Stützpunkt, dazu müssen wir durch einen dichtbesiedelten Wald.

Bei den Temperaturen müssen wir 1-2 Pausen einlegen und sind komplett nassgeschwitzt, bis wir oben ankommen. Das “Jungle-feeling” wird durch das Treffen auf einheimische Tiere verstärkt. Handgroße Äffchen, die hier “Mikus” genannt werden tummeln sich auf den Bäumen und sind alles andere als schüchtern. Auch viele Echsen- und Vogelarten sind hier zu sehen. Ein tolles Erlebnis. Auf vielen Schildern wird auch vor Schlangen, wie der “Boa Konstriktor”, gewarnt. Wir laufen aber leider keiner über den Weg.

Von der Spitze aus geht es dann mit einem Lift auf den Zuckerhut. Eine unglaubliche Aussicht über sehr viele Teile Rios bietet sich an. Während viele der Touristen schnell Fotos von der Landschaft und Selfies machen, setze ich mich für 20 Minuten einfach an das Geländer und schaue mir den gemäldeähnlichen Ausblick genauer an.

Ich sehe die Umrisse der Christus Statue in der Ferne, eine hügelige Landschaft vor ihr auf dem kleine, bunte Kästchen angesiedelt sind, die Favellas.

Ich Skate

Die Größe der Gebäude nehmen mit abnehmender Distanz zum Strand zu. Doch von hier aus ist alles winzig. Die ameisengroßen Lkws fahren auf den fernen Straßen auf und ab, das reflektierende Meer liegt zwischen uns und beherbergt ebenfalls ameisengroße Objekte, wie Boote und Schiffe. Ich schaue nach oben, ein Helikopter umkreist den Berg. Ich verfolge ihn mit meinem Blick, bis ich mit meinen Augen am Horizont hängen bleibe. Die Sonne geht unter und färbt den Himmel in einem rot-orangenen Licht. Einzelne Strahlen brechen durch die weißen Wolken in der Ferne. Es beruhigt mich und ich denke an nichts, ich beobachte nur. Ein wirklich gebührender letzter Tag in Rio.

Wir verbringen den Abend alle zusammen mit Mario und Christina mit einem kühlen Getränk im Wohnzimmer, unterhalten uns über Gott und die Welt. Im Hinterkopf habe ich jedoch noch die EM, es wird Zeit für eine weitere harte Trainingswoche in São Paulo – Ich bin bereit und brenne schon innerlich.

Kapitel II – Zurück in São Paulo – Meine Ankunft, wundervolle Gastgeber und hartes Training

Dienstag 13:47 Uhr – der Flieger landet am nationalen Flughafen (Congonhas). Wieder eine neue Unterkunft mit Airbnb gebucht. Ich muss nur noch hinfinden.

Direkt am Ausgang des Flughafens stehen Taxis und Busse. Die Busse kosten um die 40-50 Reals (11-13€) die Taxis kosten wahrscheinlich für eine 30-minütige fährt zu mir 80-90 Reals (22-25€).

Das ist viel Geld für Brasilien, davon kann ich fast eine ganze Woche 3 – zumindest, wenn ich immer Zuhause koche.

Mit Googlemaps bin ich einen Tag vorher nicht weit gekommen, es zeigt mir keine Alternative an. Nichtsdestotrotz, die Leute die hier arbeiten, müssen doch auch irgendwie herkommen.

Es gibt Teenager hier die hinter der Theke arbeiten, die haben doch wohl nicht alle ein Auto und werden wohl günstiger reisen.

Ich frage an der Information, wie ich ins Zentrum kommen kann, die junge Frau sagt ebenfalls entweder mit dem Taxi oder dem Airport-bus. Ich habe falsch gefragt. Ich frage, noch einmal und erkläre ihr, dass ich wissen will in welchem Stadtteil sie wohnt und wie sie herkommt.

Nach einem mühseligen Gespräch, dass auf meinen mangelnden portugiesischen Sprachkenntnissen liegt, erfahre ich von einer 500 Meter entfernten Bushaltestelle.

Ich muss dorthin und den “175T-10” nehmen. Gesagt – getan. Für 3,80 Real (ca. 1,10€) bin ich im Zentrum. Es macht zwar nur einen Unterschied von 20€ aus, aber prozentual gesehen ist es viel und bei einer langen Reise, summieren sich solche Ausgabe sehr schnell.

Von hier aus finde ich schnell Heim, immerhin kenne ich mich hier inzwischen aus. Hartnäckig bleiben und mutig sein hat sich wiedermal gelohnt.

Dennoch war es anstrengend den 16 Kilogramm schweren Rucksack für 35 Minuten Fußweg zu schleppen. Riesenrespekt für jeden der beim Militär ist. Aber wenn man laufen kann und es sicher ist, sollte man laufen. Man spart Geld, verbrennt Kalorien und das wichtigste ist, man denkt bei der Wegfindung aktiv mit und erkundet somit schon mal die Gegend. Zuhause schmeiße ich die Sachen auf das Bett. Fürs Training ist es zu spät, ich schaffe es nicht. Ich Dusche, decke mich mit Lebensmitteln ein und denke darüber nach, was ich die nächsten Wochen trainieren möchte.

Am nächsten Tag geht das Training los, es hat sich nicht viel geändert, es gibt ein paar neue Gesichter, aber das Training ist genauso hart. Nach jeder Sparringseinheit würde ich am liebsten aufhören, aber ich zwinge mich immer wieder und rappele mich auf.

1 Stunde Drills und 1 Stunde Sparring pro Einheit.

Ich versuche wieder meine 2 Einheiten pro Tag zu schaffen, verletze mich jedoch Donnerstag am Ellenbogen, dass ich mich lieber dafür entscheide mich 2 Tage lang auszuruhen.

Es fällt mir sehr schwer nicht zu trainieren, besonders kurz vor der EM. Es bringt mir aber nichts vollkommen zerstört anzutreten und danach nicht mehr ordentlich den Sport betreiben zu können.

Also nutze ich das freie Wochenende meine Gastgeber besser kennenzulernen. Ich bin eingeladen zu einem Mittag3, bei dem sich eher eine kleine Hausparty daraus entwickelt. Edgar, mein Gastgeber, hat viele Freunde eingeladen, es gibt wieder viel 3 und allesmögliche zu trinken. Von Bier bis Caipirinha hinüber zu frischen Cocktails. Ich lehne natürlich ab, habe aber dennoch viel Spaß. Die meisten sind schon gegen 17:00 Uhr angetrunken und wir ziehen in eine Samba-Bar weiter. Wieder kriege ich extrem viel von der brasilianischen Kultur mit, die Bar befindet sich in der Nähe des “Praça Roosevelt”.

Ein großer freier Platz, gefüllt mit Tischen der Bar und Einheimischen die natürlich wieder kräftig die Hüften schwingen. Es wird Live-Musik gespielt von einer 6-köpfigen Band, wenn man in Brasilien ist, sollte man sich so etwas nicht entgehen lassen.

Meister Cicero Costha und Ich

Da ich das nun schon öfter erlebt habe, tanze ich einfach mit und genieße den Rest des Abends. Die verbleibende Zeit trainiere ich wieder jeden Tag zweimal. Sogar an meinem letzten Tag, nehme ich noch eine Einheit mit, bevor ich dann wenige Stunden darauf in den Flieger nach Portugal steige.


Kapitel III – Mach’s gut, Brasilien. Fokus auf den Wettkampf

11.01.16
Mittwoch 09:32 Uhr. Auf dem Weg zur letzten Trainingseinheit.

Ich werde heute Abend in den Flieger steigen nach Lissabon, Portugal, den Austragungsort der Europameisterschaft.

Dort werde ich, wenige Tage nach meiner Ankunft, auf meinen Trainer, Murat Efendi, treffen. Da er inzwischen wie ein Bruder für mich ist, freue ich mich darauf, auch er wird kämpfen, aber in einer anderen Klasse. Ich bin mindestens für ihn genauso aufgeregt wie für mich.

Wenn ich so über den letzten Monat nachdenke, dann fällt mir auf, dass es eine wirklich schöne Zeit war und ich tolle Erfahrungen gemacht habe.

Ich bin dankbar über das Brazilian Jiu-jitsu und meinem Trainer, mich überhaupt zu so einer Reise motiviert zu haben.

Egal wie der Wettkampf ausgeht, ich bin froh hier gewesen zu sein, denn ich habe viele Freunde kennengelernt, viel über das traditionelle BJJ gelernt, Erfahrungen in diesem, mir noch vor einigen Monaten, sehr fremden Land gemacht. Einem Land das sich auf der Südhalbkugel befindet, einem Ort, wo man Weihnachten am Strand verbringt und an Silvester in das Meer springt. Und das wichtigste ist, dass ich viel über mich selber gelernt habe.

Es gab manchmal zwei oder drei Tage am Stück, an denen ich nicht gesprochen habe, aber mir selber zuhörte. Meine Gedanken fasste und darüber nachdachte, wie mein Leben bisher so verlief und wie ich weitermachen möchte. Ich ging durch stundenlanges Training, manchmal gewann ich keinen einzigen Sparringskampf und gab nur auf. Ich lernte über meine Schwächen und Stärken. Bin ich jetzt wer anders? Ein heiliger Mönch? Nein, absoluter Unsinn! Aber ich bin ausgeglichener, habe meine Abschlussprüfungen und die Universität hinter mir gelassen. Vielleicht, sehe ich die Dinge sogar auch etwas anders als vorher und dass alles bedeutet mir schon viel.

Noch 7 Tage bis zur EM. Ich kämpfe in der Klasse “Adult, Bluebelt, middle-heavyweight (-88,3Kg)”. Ich habe keine Ahnung wieviel ich wiege, vielleicht bin ich auch eine Gewichtsklasse drunter, ich hatte keine Möglichkeit mich zu wiegen.

In meiner Klasse befinden sich 51 Kämpfer. Verliert man auch nur einmal, sei es nur wegen eines Punktes oder einer Schiedsrichterentscheidung, dann war es das.

Derjenige der also Europameister wird, muss mehrere Kämpfe hintereinander gewinnen. Aber das ist jetzt alles nicht mehr wichtig. Sieg oder Niederlage, ich bin bereit.

Nächste Woche wird mein vorerst letzter Artikel erscheinen, entweder werde ich erfolgreich sein oder nicht. Ich werde mein Bestes geben, das Feuer in mir brennt. Ich will kämpfen, aber ich weiß auch, dass der Weg das Ziel ist. Es kann alles passieren, jeder hier ist ein Kämpfer und jeder hat hart trainiert. Keine Überheblichkeit im Sieg und keine Demotivation bei Niederlage. Das soll mein Weg sein. Egal wie es ausgeht, ich werde dem BJJ treu bleiben und weiter trainieren – OSS!

PS. Wer Interesse an mehr Fotos der Reise hat, kann gerne auch einen Blick auf mein Instagram Profil riskieren.
Einfach in der Suchleiste der App “berimburak” eingeben oder unter folgendem link:
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Teil 4:

Teil 3:

Teil 2:

Teil 1:

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Ein Gedanke zu „Mach’s gut, Brasilien. Fokus auf die Europameisterschaft

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