Ankunft in Rio – ein gefährliches Paradies?

Lesen sie nunmehr Teil 3 des Reiseberichts.

Vielen Danke für die fleissigen Berichte an BURAK, dem echten le33aner, der auszog…das Kämpfen zu lernen.

 

Kapitel I – Integration, Schmerz und Flow

Kapitel II – Ankunft in Rio – ein gefährliches Paradies?

Kapitel III – Tropische Weihnachten

Kapitel IV – kurze Tipps für Reisende mit kleinem Portmonee

 

 

Kapitel I – Integration, Schmerz und Flow

Bild von der Akademie von Cicero Costha

Dienstag 19:46 – U-Bahn
Ich sitze in der U-Bahn und fahre nach Hause. Es war ein anstrengender Trainingstag und ich bin froh, wenn ich mich einfach nur hinlegen kann. Insgesamt 4 Std habe ich heute wieder trainiert, alles schmerzt. Aber da ich Freitag sowieso nach Rio de Janeiro fliege, muss ich so viel vom Training mitnehmen, wie ich kann.

Wenn ich so zurückdenke, dann hat sich schon viel seit der letzten Woche verändert. Ich bin routinierter geworden. Ich wache jeden Morgen um ca. 09:00 Uhr auf trinke frisches Kokosnusswasser und esse Eier und Bananen. Anschließend bewege ich mich mit schnellen Schritten zur Metrostation und steige ein. Steige aus und bemerke kaum noch die 2,8 Km zur Akademie. Ich bin so in Gedanken, dass ich nichts mitbekomme. Es fühlt sich ungefähr so an, wie wenn man morgens zur Arbeit geht.
Als ich zum ersten Mal herkam, hatte ich eine lange Hose, ein T-Shirt, eine Regenjacke und Sportschuhe an. Inzwischen laufe ich mit Flip-Flops, Shorts und Trainingsshirt durch die halbe Stadt und es macht mir nichts aus.
Ich bin entspannt und mich interessiert nichts Anderes mehr als das Training hier. Ich habe auch kein Zeitgefühl mehr während des Trainings. Ich bin im Flow, ich spüre weder Zeit noch Erschöpfung. Jedoch auf dem Weg nach Hause und im Bett habe ich häufig schmerzen. Meine Gelenke und Muskeln tun weh. Meine Waden fühlen sich an wie getrockneter Zement.

Donnerstag 20:32 – Im Zimmer
So wie es aussieht, habe ich einmal die Woche ein emotionales tief. Dieses Mal war es der Mittwoch, ich schaffe nur 2 Stunden Training und zweifle an mir. Hinzu kommt, dass ich wahrscheinlich eine Entzündung an meinem linken Schienbein habe, jede leichte Berührung schmerzt stark. Ich habe natürlich andere Wehwehchen wie z.B. 2 geprellte Finger und etliche Schürfwunden. Diese sind aber nicht so Trainingsbeeinträchtigend.

Etwas in mir sagt jedoch immer wieder, “mach weiter – egal was kommt”. Und es lohnt sich dann auch weiter zu machen, am nächsten Tag (heute) geht es mir wieder besser. Auch wenn ich manchmal nachts vor Schmerzen nicht schlafen kann, ist es mir das Wert. Es geht schon lange nicht mehr nur um die Europameisterschaft, sondern eher darum, dass ich mich als Person und Kämpfer weiterentwickele. Ich nehme viel mehr mit als nur einen trainierten Körper und 2-3 Techniken, ich nehme den brasilianischen Geist und Freunde mit. Es ist so eine einmalige Lebenserfahrung, dass ich das nicht nur auf eines, auch wenn wichtiges, von vielen Wettkämpfen beschränken möchte.

Das letzte Training für dieses Jahr in Cicero Costhas Akademie für mich ist jetzt um. Ich werde morgen früh nach Rio de Janeiro reisen. Ich bin gespannt wie es sein wird. Ich habe dort einen Freund, er heißt Björn und trainiert mit mir BJJ in der Akademie für Selbstverteidigung le33. Er hat eine brasilianische Freundin und somit schon mal in Rio trainiert. Weiterhin hat er mir angeboten Weihnachten und Silvester mit ihm, seiner Freundin und der Familie seiner Freundin zu verbringen. Ich freue mich schon auf die nächste Zeit und bin gespannt wie es weitergeht.

Kapitel II – Ankunft in Rio – ein gefährliches Paradies?

Bild vom Strand Rio de Janeiro

Freitag 10:57 – Flughafen Santos-Dumont

Raus aus dem Flieger. Ich dachte ich habe dieses Mal keinen der mich abholt, gestern haben jedoch Björn und seine Freundin, Alexia, drauf bestanden mich abzuholen – keine Diskussion möglich. Und um ehrlich zu sein, ist dies auch sehr angenehm, wenn man reist. Es ist auch mal wieder schön mit einer Person auf deutsch zu sprechen. Ich hatte schon angefangen in der englischen Sprache zu denken.

Hätten Björn und Alexia mich nicht abgeholt, dann wäre ich normalerweise zuerst mit dem Bus gefahren, dann gelaufen, anschließend in die Metro gestiegen, um wiederum wieder 10 Minuten zu laufen. Hört sich kompliziert für ein fremdes Land an, ist es aber nicht. Ich erkläre im letzten Kapitel wieso, vielleicht hilft es dem einen oder anderen bei seiner/ihrer eigenen Reise.

Die beiden führen mich zunächst auf eine Aussichtsplattform, zum ersten Mal schnuppere ich die Luft in Rio. Es ist unglaublich schwül, noch schwüler und wärmer als in São Paulo. Ich spüre sofort wie sich eine nasse Schicht Schweiß auf meinen Rücken ausweitet, genau dort, wo mein Rucksack aufliegt. Nichtsdestotrotz bietet sich mir ein wunderschöner Anblick, ich sehe den Zuckerhut, auf Portugiesisch Pão de Açúcar, einen fast 400 Meter hohen Berg, angebunden an eine im Hintergrund verschwindende Gebirgskette. Vor der Kette erblickt man große Teile der urbanen Innenstadt direkt am Meer anliegend, viele Gebäude durchdrungen von Palmen. Bereits während des ersten Atemzuges nimmt man die salzige Meer Luft wahr. Ein wirklich einmaliger und herrlicher Anblick.

Ich werde zu meiner Unterkunft gefahren. In nicht einmal 30 Minuten bin ich da. Ich habe wieder via Airbnb gebucht. Ein nettes Zimmer mit der perfekten Lage, zum Strand von Ipanema sind es 4-6 Minuten zu Fuß und zum Strand von Copacabana sind es um die 8-10 Minuten zu Fuß. Ich bin jedoch müde lege mich ins Bett und schlafe bis in den frühen Abend.

Gegen 17 Uhr raffe ich mich auf und gehe zum Strand nach Ipanema. Die Sonne bahnt sich schon ihren Weg gen Gebirgskette und geht unter. Es ist dennoch immer noch sehr warm. Ich kaufe mir für ca. 1,40€ frisches Kokosnusswasser. Dabei wird die Kokosnuss von einem Einwohner mit der Machete geöffnet und ein Strohhalm wird eingeführt. Perfekt um sich zu hydrieren und sehr erfrischend. Den Rest der Zeit stehe ich bis zu den Knien im Wasser und genieße einfach den Moment.

21:12 Uhr – Copacabana
Björn, Alexia und ich sind zum Sandwich 3 verabredet. Ich werde in ein unscheinbares Lokal mitgenommen, wovon Björn schon vorher geschwärmt hat. Wir 3 alle 3 das gleiche – Filet Mignon mit Ananas als Sandwich. Ich bin eigentlich nicht der Typ der so etwas gerne isst, auch kein “Pizza-Hawaii-Fan”, aber das war mir Abstand eines der besten Sandwiches, die ich Je geg3 habe. Das innen rosarote und gut gewürzte Fleisch in Kombination mit dem vollen Geschmack der Ananas war ein Traum. Den Rest des Abends verbringen wir am Strandabschnitt. Wir unterhalten uns, bis wir plötzlich einen aufgebrachten Mann mit Badehose und freiem Oberkörper bemerken.

Es ist 23:21 Uhr und dieser Mann ruft lauthals irgendetwas durch die Gegend und zieht somit die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Natürlich redet er portugiesisch, Björn und ich verstehen nichts. Aus den Reaktionen der Leute, die zuhören ist kaum eine Interpretation möglich. Einige schmunzeln, während andere ernst schauen. Zum Glück ist Aléxia dabei. Noch bevor ich es sagen kann, fragt Björn:”What’s his Problem?” Aléxia sagt,” I will tell you later.” – sehr merkwürdig. Wir gehen einige Schritte weiter, so dass uns der Mann und die herumstehenden Menschen nicht mehr hören können. Aléxia übersetzt was der Mann gesagt hat. Ihm hat anscheinend eine Frau versprochen Sex mit ihm zu haben oder sie haben zumindest irgendeine Art “Deal” ausgehandelt. Jedoch wurde er ausgeraubt, keine einzige Spur von der Frau oder von seinen Sachen. Ich lache zunächst und denke mir nur “Wow, einfach nur Wow!” Eine dramatische, aber lustige Situation, der Mann schien ganz aufgeschmissen zu sein. Er hatte nicht mal mehr ein T-Shirt an. Und dies geschah an eines der belebtesten Gegenden in Rio de Janeiro.

Aléxia und Björn erzählen mir mehr von der Dreistigkeit der Kriminellen in Rio de Janeiro. Sie Sagten, sie würden mir generell davon abraten eine Kette zu tragen oder an bestimmten Orten mein Handy zu benutzen, da es Leute gibt die diese Dinge einfach vom Körper Reißen und weglaufen. Ich muss also vorsichtig sein.
Wir laufen noch etwas gemeinsam durch die Gegend, verabschieden uns und gehen nach Hause. Immerhin ist morgen Weihnachten – ich bin gespannt.

Kapitel III – Tropische Weihnachten

Bild des Weihnachtsmannes und Baumes

Samstag 10:29
Mir ist heiß. Es fühlt sich überhaupt nicht an wie Weihnachten. Es gibt Palmen anstatt Tannenbäume, Kokosnusswasser anstatt Kakao oder Glühwein, Sand anstatt Schnee und Bikinis/Badehosen anstatt Weihnachtsmützen. Eine sehr merkwürdige und einzigartige Erfahrung. Ich bin froh, bei Alexia und Björn eingeladen zu sein. Nicht nur, dass es schön ist, diese Zeit mit Menschen zu verbringen die man mag, sondern auch, ein brasilianisches Weihnachtsfest mitzuerleben.

Ich verbringe den Tag zunächst mit den beiden am Copacabana Strand, es ist ein gutes Gefühl nach 2 harten Trainingswochen einen Tag mal komplett zu entspannen. Weihnachtsstimmung kommt jedoch keine auf. Alles findet hier auf die gewöhnliche Art und Weise statt. Der Strand ist voller Menschen, es werden durch Leute, die auf und ab laufen, Sonnenbrillen, Cocktails, Nahrung und viel mehr verkauft. Während sich also einige in der Sonne betrinken, verbringen andere ihre Zeit im türkis-transparenten Wasser. Kein einziges Anzeichen von Weihnachten. Nach einem entspannten Tag gehen wir wieder in die Wohnung. Bald steht Weihnachts3 mit Alexias Familie an. Ich weiß nicht genau was mich erwartet.

20:26 Uhr – Aufzug
Wir benutzen gemeinsam den Aufzug, der zu Alexias Großmutter fährt. Hier soll das Weihnachts3 stattfinden. Während Alexia ein Abendkleid trägt und ihr Vater eine lange Hose mit einem Hemd, tragen Björn und ich (die Gringos) eine kurze Hose mit einem Shirt. Uns würde gesagt, dies sei in Ordnung. Und das war es auch, da andere Familienmitglieder auch lockerer angezogen waren. Wir betreten die Wohnung und werden begrüßt. Es ist so viel Weihnachtsdeko verteilt, dass es einem vorkommt, wie auf einem Weihnachtsmarkt. Bunte Lichterketten, ein rot gedeckter Esstisch, Kissenbezüge mit dem “Weihnachtsmann” als Motiv, ein geschmückter Nadelbaum aus Plastik, eine Lebensgroße Weihnachtsmannfigur und vieles mehr.

Ich werde herzlich empfangen und begrüßt von den, nach und nach eintrudelnden, Familienmitgliedern. Mit einem Gemisch aus englisch, portugiesisch, deutsch und mit Hilfe von Björn und Alexia unterhalten wir uns reg. Es wird viel gelacht, getrunken und noch mehr geg3. Einfach entspannt und wirklich toll. Bevor es den Hauptgang im Essbereich gibt, werden edle Käseplatten, diverse Nüsse und viele andere Delikatesse, wie z.B. Fischgerichte, auf dem Balkon mit Meerblick aufgetischt.

Als Hauptgang gibt es ein Buffet, bestehend aus lokalen Gerichten, mir hat am meisten der “Chester” geschmeckt, eine Art von Geflügel, welche üblich hier ist. Das ist natürlich noch nicht alles, während sich mein Magen anfühlt wie eine tickende Zeitbombe, werden die Hauptgerichte durch Desserts wie selbstgemachter Cheesecake, Süßer French toast und Eiscreme. Es ist alles sehr entspannt. Jeder fängt einfach an, wenn er/sie das Essen auf dem Teller hat. Kein Gebet oder sonstiges. Zwischendurch gibt es auch die Bescherung, die innerhalb von 15 Minuten auch wieder vorbei ist, man macht kein großes Ding draus, packt seine Geschenke aus, bedankt und freut sich. Nach einer schönen Rede der Großmutter und viel Applaus, wird zwischendurch gesungen und gelacht.  Ein ausgelassener Abend geht dem Ende zu. Auch den ersten Weihnachtstag verbringen wir mit dem Essen vieler Leckereien und am Strand.

Sonntag 21:43 – Zimmer
Ich sitze nun Zuhause und freue mich eine so tolle Zeit mit diesen wirklich tollen Menschen verbracht zu haben – Balsam für dir Seele!
Nichtsdestotrotz ist heute der 25.12, der 3. Tag an dem ich nicht trainiert habe und es sind nur noch wenige Wochen bis zur Europameisterschaft, ich darf mein Ziel nicht aus den Augen lassen, auch wenn das verführerische Urlaubsleben hier auf mich lauert. Natürlich werde ich mir zwischendurch einige Touristenattraktionen anschauen und mir gutes Essen gönnen, aber hauptsächlich will ich trainieren!

Also ab morgen geht das Training weiter – Work hard, Fight hard, Oss!

Kapitel IV – kurze Tipps für Reisende mit kleinem Portmonee

Manchmal muss man alleine zur Unterkunft finden. Besonders herausfordernd ist das wenn man weder Geld für ein Taxi, noch eine funktionierende SIM-Karte zum Telefonieren, geschweige denn mobiles Internet hat. Ich reise sehr häufig auf diese Art und Weise.

A. Mutig sein und den Kontakt suchen
Manchmal gibt es eine kostenlose WLAN Verbindung an Flughäfen oder zumindest in einem Starbucks. Dies kann zur Kommunikation oder Nutzung von online Karten genutzt werden. Einfach suchen und viel fragen, sich trauen mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Man darf sich durch Misserfolge nicht einschüchtern lassen. Ich bin schon oft und viel innerhalb von Europa, Asien und den USA gereist. Bis jetzt waren fast alle Menschen immer sehr hilfsbereit. Aber auch wenn man kein Internet hat, ist es kein Problem zur Unterkunft zu finden.

B. Sich gut vorbereiten
Ich habe einen Trick mit dem ich Google-Maps ohne Internetverbindung benutzen kann. Man kann sich in der Schaltfläche der App eine offline Karte runterladen und wenn man dann auch noch das GPS aktiviert hat, hat man eine Navigationsgerät ohne weitere Kosten. Es nimmt natürlich nur etwas von der Batterie des Mobiltelefons in Anspruch. Meine Unterkunft habe ich auf der Karte markiert. So weiß ich zumindest schon mal immer wo ich bin und wo ich hinmuss. Natürlich kann man sich auch eine Karte ausdrucken, dann muss man sich aber immer wieder neu orientieren und schauen wo man selber ist.

C. Flexibel sein, aber nicht naiv
Manchmal muss man seinen Plan aufgeben, weil er dann in der Realität gar nicht umsetzbar ist oder sich eine bessere Chance ergibt und es nicht Weise wäre diese nicht zu ergreifen. Als ich z.B. 2014 am Flughafen In Miami ankam, gab es eine Möglichkeit ein Sammeltaxi zu nutzen und dies hat nur 22$ für eine einstündige Fahrt gekostet. Jedoch sollte man aufpassen und schauen wie transparent und seriös das Angebot ist. Eventuell sogar einen Festpreis von vornherein vereinbaren. Es gibt natürlich Leute die nur drauf lauern, verlaufene Touristen über den Tisch zu ziehen.

 

 

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